Journal
Das Vermächtnis von Valais 2025
Vom 30. August bis 14. September 2025 wurde das Wallis zum Zentrum der Mountainbike-Welt. Erstmals vereinten sich alle acht Disziplinen in einer Region. 1’228 Athlet:innen aus 60 Nationen kämpften an acht Austragungsorten um 27 Weltmeistertitel. Über 100’000 Zuschauer:innen sorgten vor Ort für eine einmalige Stimmung und weltweite Aufmerksamkeit für die aufstrebende Mountainbike-Destination Wallis. Vast Trails war bei drei Austragungen konzeptionell und baulich mittendrin. Wir porträtieren Aletsch Arena (Enduro), Zermatt (Short Track) und Bellwald (E-MTB Cross Country). Rund zwei Monate später schauen wir auf die drei Titelwettkämpfe zurück und setzen uns mit der Frage auseinander, welchen Einfluss dieser Grossanlass auf den Mountainbike-Tourismus, die Infrastruktur und die Menschen vor Ort hat und noch haben wird.
Autoren: Levi Luggen, Philipp Bont und Severin Schindler
Fotos: Boris Beyer, Sven Martin und Gabriel Perren
#1 Enduro – ein Ritt durch die ganze Destination
«Enduro ist das Mountainbike-Äquivalent zu einer Rallye», beschreibt es die UCI treffend. Und genau so war die Stimmung vor Ort in der Aletsch Arena-Bellwald: Spannung, Action und eine richtig gute Rennatmosphäre. Seit 2022 wurde hier die dafür notwendige Event-Kompetenz – unter anderem durch die zweimalige Austragung der Swiss Enduro Series und des ersten Weltcuprennens im vergangenen Jahr – aufgebaut. Seit Beginn sind wir involviert beim Course Design, der Vorbereitung der Stages sowie den abschliessenden Nacharbeiten. Ein Highlight war die Stage 5 im Bike Park Bellwald. Sie wurde aus den beiden Trails Lord of the Rims und Into the Wild zur längsten Stage (7km) zusammengesetzt.
Die Enduro WM hat die beiden Destinationen Bellwald und die Aletsch Arena noch enger zusammengeschweisst. Mit der anstehenden Gemeindefusion «Unnergoms» der drei Gemeinden Bellwald, Fiesch und Lax sowie dem geplanten Bergbahnprojekt zwischen Fiesch und Bellwald (direkt angebunden am ÖV-Hub) rücken die Destinationen auch institutionell und infrastrukturell näher zusammen. Der Enduro Fokus ist auch in der Vermarktung der Aletsch Arena zu spüren: In dieser Saison wurde der Subbrand Aletsch Enduro gelauncht. Und das Beste: Das Enduro-Spektakel bleibt mindestens drei weitere Jahre Teil des UCI Weltcup-Zirkus – ein starkes Zeichen für die Zukunft der MTB-Destination Aletsch Arena–Bellwald!
#2 Short Track unter dem Matterhorn – Spannung bis zur letzten Kurve
Beim Short Track (XCC) in Zermatt war Vast Trails für den Bau und Rückbau des temporären Rockgardens sowie für zwei zusätzliche Trail Features – einen Step Down Jump und eine grosse Anliegerkurve – verantwortlich. Die Herausforderung: Mit relativ wenig baulichem Aufwand sollte auf dem sonst eher schnellen und monotonen 1.2 km langen Rundkurs ein technisches, aber sicheres Hindernis entstehen. Der Rockgarden brachte, perfekt abgestimmt auf Cross Country-Bikes, die notwendige Würze in das Rennen. Mit reduziertem Federweg und nur leicht profilierten Reifen war Präzision gefragt – und das sorgte für Nervenkitzel. Zwei parallele Linien ermöglichten spannende Überholmanöver und dramatische Schlusssprints. MTB-Legende und SRF-Experte Thomas Frischknecht kommentierte begeistert: „Die beiden Linien sind sehr gut gebaut, beide sind genau gleich schnell. Wer mehr riskiert, ist somit schneller unten.“
#3 E-MTB Cross Country – Heimspiel auf eigenen Trails
Der Austragungsort der E-MTB Cross Country-Strecke wurde aus verschiedenen Gründen (insbesondere Machbarkeit in den verschiedenen Destinationen) sehr spät festgelegt. Entsprechend war Improvisation und Kreativität gefragt, um im Bike Park Bellwald in kürzester Zeit einen passenden Rundkurs zu konzipieren. Wer Bellwald kennt, kann es sich vorstellen. Hier kam besonders viel Vast Trails-DNA zum Tragen: Grosse Teile des Kurses setzen sich aus bestehenden Trails des Bikeparks zusammen, die wir in den letzten Jahren gebaut haben. Namentlich Forest Bump, Into The Wild und Dirty Cranking.
Der kompakte Loop kombinierte Flow Trail- und Downhill-Elemente sowohl im Auf- als auch im Abstieg. Dank der Streckenführung in Form einer Acht konnten Zuschauer:innen das Renngeschehen von nahezu einem Standort aus an mehreren Schlüsselstellen verfolgen. So entstand eine kompakte und mitreissende Rennatmosphäre.
Mehr als ein Grossanlass
Übergeordnet bewirkte Valais 2025 auf verschiedenen Ebenen einen positiven Impact. Uns sind dabei vor allem vier Punkte aufgefallen:
- Zusätzliche Unterstützung für eine nachhaltige Angebotsentwicklung
Bei vielen austragenden Destinationen waren Konzepte und Masterpläne, insbesondere das Bike Valais/Wallis-Projekt, die wegweisende Grundlage für deren Entwicklung. Zahlreiche Destinationen konnten so bis zu Valais 2025 ein beachtliches Angebot vorweisen. Wo immer möglich wurden bestehende Trails verwendet. Diese wurden auf die Rennen hin gezielt optimiert – ein nachhaltiger Ansatz, der die Bike-Destination Wallis auch über die WM hinaus stärkt. Einige Beispiele: Die Stages der Enduro Rennen wurden ausschliesslich auf bestehende und offizielle Trails gelegt, das Marathon-Rennen in den Klassiker “Grand Raid” integriert, für die Downhill-Rennen die legendäre Strecke in Champéry reaktiviert. 2020 erhielt Valais 2025 den Zuschlag von der UCI. Dies entfachte in den letzten fünf Jahren nochmals zusätzlichen spürbaren Rückenwind, das MTB-Angebot voranzutreiben. Durch diesen Grossanlass ist der Sport definitiv auf dem gesellschaftlich und politisch relevanten Parkett angekommen.
- Bessere Zusammenarbeit unter den Leistungsträgern – regional wie kantonal
Durch den Grossanlass wurde die Zusammenarbeit zwischen den Leistungsträgern auf verschiedenen Ebenen intensiviert. Zum Beispiel setzte sich auf der Destinationsebene Aletsch – Bellwald das lokale OK aus Vetreter:innen von Behörden, Tourismus, Bergbahnen und Vereinen über die Gemeindegrenzen hinweg zusammen. Das Team spielte sich derart gut ein, dass der Enduro-Worldcup die nächsten drei Jahre in der Destination bleibt. Der EDR Weltcup passt als internationales Steckenpferd perfekt zur Destinationsstrategie mit den Subrands Aletsch Enduro und Bike Park Bellwald. Auf Kantonsebene wurde der bikespezifische Austausch zwischen den Destinationen gefördert, aber auch die Angebotsentwicklung besser aufeinander abgestimmt. Das Wallis konnte mit dem Event die eigene Mountainbike-Identität stärken und das Bewusstsein einer ganzheitlichen und kantonsweiten Mountainbike-Marke wurde geschärft. Seitens Behörden und Regionalentwicklung entstanden weitere wichtige Grundlagen, um die herausfordernden Aufgaben in der Planung zu erleichtern.
- Weltweite Ausstrahlung als Mountainbike-Kanton
Mountainbike-Weltmeisterschaften wurden bislang stets nur in einer Destination durchgeführt. Das Konzept, eine ganze Region mit mehreren Destinationen acht verschiedene Disziplinen innerhalb von 2 Wochen durchführen zu lassen, ist neu und bislang einzigartig. Dieser Ansatz wird auch der kantonalen Strategie vollends gerecht. Valais2025 war eine einmalige Möglichkeit, das vielfältige Mountainbike-Angebot des ganzen Kantons in ein internationales Schaufenster zu stellen.
- Sportförderung und Community Building
Mountainbike-Tourismus funktioniert nur, wenn der Sport von den Einheimischen auch gelebt wird. Im Rahmen von Valais 2025 wurden verschiedene Legacy Projekte in den Bereichen Jugend, Frauen und Talentförderung initiiert. Von Schulsport über Vereinssport bis hin zu regionalen Leistungsstützpunkten wird so ein ganzheitlicher Ansatz verfolgt. Diese Förderungen sind Massnahmen, um den MTB-Sport in der Gesellschaft zu verankern. Ein schönes Beispiel zeigt sich nach dem Short Track-Rennen in Zermatt. Die Kids des Bikeclub Mattertal fuhren die Rennstrecke gemeinsam unter dem Applaus der Zuschauenden ab. Eine Erinnerung, die definitiv bleibt!
Was das Vermächtnis dieser WM aber tatsächlich ist, wird sich erst in ein paar Jahren zeigen. Es wurde bereits viel erreicht. Für eine weitere nachhaltige Entwicklung müssen die verschiedenen Akteure kooperativ, abgestimmt und zukunftsgerichtet den Mountainbike-Kanton Valais/Wallis im Geiste von Valais 2025 weitergestalten.